Hildegunde Feilner

Pionierin auf diplomatischem Parkett

Als Hildegunde „Gundi“ Feilner am 4. September 1918 in Augsburg geboren wurde, durften Frauen in Deutschland nicht wählen und waren im diplomatischen Dienst eher schmückendes Beiwerk des Botschafters als eigenständige Akteurinnen.

An der Technischen Hochschule in München absolvierte Gundi Feilner ein Studium der Betriebswirtschaft. Nach dem Abschluss als Diplomkaufmann folgte noch die Promotion. Anschließend war sie von 1941 bis 1946 als Assistentin und Lehrbeauftragte am Volkswirtschaftlichen Lehrstuhl der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Technischen Hochschule München tätig. Es folgten Stationen als Referentin im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft von 1946 bis 1947 und als Referentin im Büro des Direktors der bizonalen Verwaltung für Wirtschaft in Frankfurt am Main.
Der Kontakt zur CSU entstand in ihrer Funktion als Referentin der Politischen Ausschüsse der CSU 1947. Als sie 1948 als Referentin an das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft zurückkehrte, war gerade der spätere Ministerpräsident Hanns Seidel Wirtschaftsminister. Er unterstütze die nunmehrige Regierungsrätin bei ihrem Studienaufenthalt in den USA 1950 und stand darüber im engen Austausch mit ihr. (Den diesbezüglichen Briefwechsel finden sie hier.) In den Jahren 1951 bis 1955 war Gundi Feilner außerdem Vorsitzende der Business and Professional Women (BPW) München. Der Verband unterstützt und fördert berufstätige Frauen und engagiert sich in Fragen der Gleichstellung.

Nach ihrer Rückkehr bewarb sie sich erfolgreich für den Auswärtigen Dienst. Die erste vorgesehene Stelle als Leiterin der Wirtschaftsabteilung in der neuen deutschen Botschaft in Kairo konnte sie nicht antreten. Offenbar gab es Bedenken hinsichtlich der Tatsache, dass eine Frau diesen Posten in einem arabischen Land übernehmen würde. Gundi Feilner verschlug es daher von 1952 bis 1962 als Legationsrätin nach Paris. Es folgten Stationen in der Position einer Referatsleiterin und Botschaftsrätin I. Klasse in Bonn 1961 bis 1965, als Leiterin der Wirtschaftsabteilung der Botschaft in Neu Dehli und als Gesandt an der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei den Europäischen Gemeinschaften in Brüssel.

Bemerkenswert ist die diplomatische Karriere, die sich daran anschloss. Im Jahr 1973 wurde sie der erste weibliche deutsche Botschafter auf Sri Lanka und ist es bis heute (Stand Herbst 2020) geblieben. Ebenfalls die erste weibliche Botschafterin für Deutschland wurde sie 1977 in Singapur, dort gab es erst 2011 erneut eine Frau in dieser Position. Auf ihrem letzten diplomatischen Posten als Botschafterin auf den Philippinen von 1980 bis 1983 war sie wiederum die erste Frau an der Spitze der deutschen Botschaft. Dort sollte es bis 2019 dauern, dass es nun wieder eine Botschafterin gibt.

Manila wurde zur letzten Station der vielgereisten Gundi Feilner, die sich 1983 in den Ruhestand zurückzog. Aktiv blieb sie bis zu ihrem Tod am 14. Januar 2007. Wenig ist über sie privat bekannt, die schriftliche Überlieferung sehr übersichtlich. Doch wird sie als vielfältig interessiert, belesen, geistig rege und selbstbewusst beschrieben. (Dr. Sylvia Krauss-Meyl über Gundi Feilner)